Noa Notes vs. muunai: Welche KI-Dokumentation passt zu Ihrer Praxis?
17. August 2026 · 8 Minuten Lesezeit
Noa Notes und muunai verfolgen dasselbe Kernziel: Aus dem Patientengespräch entsteht eine strukturierte medizinische Dokumentation, die Ärzt:innen prüfen und in die Patientenakte übernehmen. Beide Angebote richten sich an den deutschen Gesundheitsmarkt, unterstützen individuelle Vorlagen und werben mit DSGVO-konformer Verarbeitung.
Der Unterschied zeigt sich weniger beim reinen Mitschreiben als im Workflow davor und danach. Dieser Vergleich ordnet die öffentlich beschriebenen Funktionen ein und zeigt, für welche Arbeitsweise die beiden Lösungen jeweils interessant sind.
Kurzfazit
Noa Notes ist ein etablierter Dokumentationsassistent. muunai geht beim Workflow rund um die Dokumentation weiter.
Wer vor allem Gespräche zusammenfassen und über eine von mehreren Connect-Stufen ins PVS übertragen möchte, findet bei Noa Notes ein breites Angebot. muunai ist besonders interessant, wenn zusätzlich Besuchsvorbereitung aus Dokumenten, freies Diktat, mobile Nutzung und tiefer Patientenkontext aus T2MED in einem Arbeitsablauf wichtig sind.
muunai und Noa Notes im direkten Vergleich
Die Tabelle unterscheidet bewusst zwischen belegten Funktionen und Punkten, die auf den verglichenen öffentlichen Produktseiten nicht eindeutig beschrieben sind. „Nicht ausgewiesen“ bedeutet daher nicht automatisch, dass eine Funktion technisch unmöglich ist.
Kriterium
muunai
Noa Notes
Gespräch zu strukturierter Dokumentation
Ja
Ja
Eigene Berichtsvorlagen
Ja
Ja
ICD-Codes vorschlagen
Ja
Ja
Medizinischer Chat
Chat zu Gespräch und Literatur
Noa Evidence
Dokumente zur Besuchsvorbereitung
Vorbereiten-Add-on
Öffentlich nicht eindeutig beschrieben
Freies Diktat in beliebige Textfelder
Desktop-Add-on
Öffentlich nicht ausgewiesen
Native iPhone- und iPad-App
Ja
Browserbasiert ausgewiesen
PVS-Integration
Im Professional-Tarif enthalten
Je nach Connect-Tarif
T2MED: strukturierte Übergabe
Abschnitte, Diagnosen und ICD-Codes
Abschnitte inkl. Diagnose laut Anbieter
T2MED: Akte als optionaler Kontext
Karteikarte und Dokumente
Öffentlich nicht beschrieben
T2MED mit voller Integration (monatlich)
79 €
119 € (Connect 3.0)
1. Die Basis: Gespräch, Diktat und strukturierter Bericht
In der Kernfunktion liegen beide Produkte nah beieinander. Das Gespräch wird erfasst, medizinisch relevante Inhalte werden erkannt und anschließend strukturiert dargestellt. Der fertige Text bleibt eine Vorlage für die ärztliche Prüfung – die fachliche Verantwortung wird nicht an die Software abgegeben.
Sowohl muunai als auch Noa Notes lassen sich an unterschiedliche Fachrichtungen und Dokumentationsstile anpassen. Noa ergänzt das Angebot mit Noa Evidencefür medizinische Fragen. muunai bietet einen Chat, mit dem sich der Bericht bearbeiten, das Gespräch befragen und medizinische Literatur durchsuchen lässt.
2. Vor und neben dem Gespräch: Hier setzt muunai breiter an
Dokumentationsarbeit beginnt nicht immer erst mit der Aufnahme. Mit dem optionalen Vorbereiten-Add-on fasst muunai Arztbriefe und andere Dokumente vor dem Termin zusammen und kann diese Informationen als Kontext für die neue Dokumentation verwenden. Textbausteine und individuell konfigurierte Berichte helfen dabei, wiederkehrende Formulierungen konsistent abzubilden.
Für kurze Eingaben außerhalb eines Berichts gibt es außerdem das muunai-Add-on für freies Diktat. Damit lässt sich per Sprache direkt in beliebige Textfelder auf dem Computer schreiben. Noa Notes unterstützt laut eigener Produktbeschreibung Gespräche und Diktate innerhalb der Anwendung; eine vergleichbare systemweite Diktierfunktion ist auf den von uns geprüften öffentlichen Seiten nicht ausgewiesen.
3. PVS-Integration: Nicht nur „vorhanden“, sondern wie tief?
Beide Anbieter integrieren sich in deutsche Praxisverwaltungssysteme. Noa Notes staffelt sein Angebot öffentlich in Basis sowie Connect 1.0, 2.0 und 3.0. Je nach PVS reicht der beschriebene Umfang vom Start aus der Patientenakte bis zur Übergabe einzelner Abschnitte in definierte Felder.
Bei muunai ist die PVS-Integration im Professional-Tarif enthalten. Für viele Systeme wird die fertige Dokumentation ohne Copy-Paste übergeben. Bei tieferen Integrationen geht der Ablauf weiter und kann vorhandene Informationen vor der Erstellung des Berichts einbeziehen. Welche Funktionen verfügbar sind, hängt bei beiden Anbietern vom konkreten PVS und dessen Schnittstellen ab.
4. T2MED: Die Karteikarte kann zum Kontext werden
In T2MED kann muunai auf Wunsch den aktuell geöffneten Patienten übernehmen und ausgewählte Inhalte der Karteikarte als Kontext einlesen. Dokumente lassen sich direkt aus der Karteikarte laden, sodass zum Beispiel ein vorhandener Arztbrief in die Vorbereitung einfließen kann. Diese Nutzung ist optional: Die Praxis entscheidet, welche Informationen berücksichtigt werden sollen.
Nach der Prüfung lassen sich Dokumentationsabschnitte gezielt zurückschreiben. Auch Diagnosen inklusive ICD-Codes können direkt in T2MED gespeichert werden. Noa beschreibt seine aktuelle T2MED-Anbindung ebenfalls als direkte Integration, bei der Anamnese, Befund und Diagnose in die vorgesehenen Felder gelangen. Das optionale Einlesen der Karteikarte und ihrer Dokumente als Kontext wird auf den verglichenen Noa-Seiten nicht beschrieben.
muunai bietet eine native App für iPhone und iPad. Damit können Gespräche etwa bei Hausbesuchen aufgenommen, vor Ort verarbeitet und anschließend sogar direkt an T2MED übergeben werden. Noa Notes hebt auf seiner Preisseite die browserbasierte Nutzung ohne Installation hervor. Das ist unkompliziert, ist aber ein anderer Ansatz als eine native mobile App.
6. Datenschutz: Beide Anbieter setzen klare Schwerpunkte
Noa Notes gibt an, Daten DSGVO-konform auf Servern in Frankfurt zu verarbeiten und Patientendaten nicht für das Training seiner KI-Modelle zu verwenden. muunai verarbeitet Daten in der EU, speichert Patientendaten nach eigener Produktbeschreibung nicht dauerhaft in der Cloud und löscht Gesprächsaufnahmen nach der Berichtserstellung.
Für Praxen reicht ein Marketingversprechen allein nicht aus. Vor dem Einsatz sollten bei jedem Anbieter AVV, technische und organisatorische Maßnahmen, Löschkonzept, Unterauftragsverarbeiter und der konkrete Ablauf zur Patienteninformation geprüft werden.
7. Preise und Einrichtung
muunai Professional kostet bei monatlicher Zahlung 79 € pro Nutzer:in und Monat zuzüglich Mehrwertsteuer. Enthalten sind unbegrenzte Berichte, Vorlagen, Teamfunktionen, Support, Einrichtung und PVS-Integration. Damit kostet auch die volle T2MED-Integration mit strukturierten Abschnitten, Diagnosen und ICD-Codes 79 € monatlich. Das freie Diktat und das Vorbereiten-Add-on sind separat buchbar.
Bei monatlicher Abrechnung kostet Noa Notes Basis 69 €, Connect 1.0 89 €, Connect 2.0 99 € und Connect 3.0 119 € pro Behandler:in und Monat, jeweils zuzüglich Mehrwertsteuer. Für die vergleichbare strukturierte T2MED-Integration wird Connect 3.0 benötigt. Hinzu kommt laut Noa-Preisseite eine einmalige Einrichtungsgebühr von 199 €. Der direkte monatliche Vergleich für T2MED lautet damit: muunai 79 € gegenüber Noa Notes 119 €. Preise und die für ein PVS verfügbare Integrationsstufe können sich ändern und sollten vor Abschluss direkt beim Anbieter bestätigt werden.
Welche Lösung passt zu welcher Praxis?
Noa Notes kann gut passen, wenn …
Sie einen fokussierten, browserbasierten Dokumentationsassistenten suchen,
Ihr PVS in der gewünschten Noa-Connect-Stufe unterstützt wird, oder
Noa Evidence für Ihren Arbeitsablauf ein wichtiges Zusatzangebot ist.
muunai kann gut passen, wenn …
Sie Dokumente schon vor dem Gespräch als Kontext nutzen möchten,
Sie zusätzlich in anderen Programmen frei diktieren möchten,
Hausbesuche und eine native iOS-App wichtig sind, oder
Sie T2MED inklusive Karteikarten-Kontext, Dokumenten und Diagnosen tief in den Ablauf einbinden möchten.
Fazit: Den vollständigen Arbeitsablauf testen
Ein guter Vergleich endet nicht bei einer Checkliste. Testen Sie mit typischen Fällen aus Ihrer Praxis: ein kurzes Gespräch, einen komplexen Verlauf, einen Arztbrief zur Vorbereitung und die Übergabe an Ihr PVS. Achten Sie darauf, wie viele Korrekturen und Klicks vom Start bis zum fertigen Eintrag tatsächlich nötig sind.
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Stand: 17. August 2026. Grundlage sind die öffentlich zugänglichen Produkt- und Preisseiten beider Anbieter. Noa beschreibt T2MED auf seiner Preisseite derzeit anders als auf einer neueren Webinar-Seite; für die T2MED-Funktionen haben wir deshalb die neuere anbietereigene Beschreibung zugrunde gelegt.